Trends in der Maschinensicherheit

30. Oktober 2014

Das „PLUS” an Produktivität: Funktionale Sicherheit als Mehrwert

Wie lässt sich Sicherheit und Produktivität verbinden? Welche Entwicklungen gibt es international auf dem Gebiet der Maschinensicherheit und wie ist SICK dafür aufgestellt? Ein Interview mit Dr. Georg Plasberg, Leiter des Bereichs „Industrial Safety Systems” bei SICK, über Sicherheit als Mehrwert: Mehrwert im Sinne von funktionaler Sicherheit und Rechtssicherheit.

 

SICKinsight: safetyPLUS® ist das weltweite Kompetenzlabel für funktionale Sicherheit von SICK. Herr Dr. Plasberg – was bedeutet das „PLUS“ dabei für die Kunden von SICK?

 

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Dr. Georg Plasberg, SICK AG

Dr. Plasberg: safetyPLUS® steht für die umfassenden Leistungen von SICK rund um die Maschinensicherheit. Das Plus steht für einen umfassenden Support unserer Kunden hinsichtlich der funktionalen Sicherheit ihrer Maschinen und Anlagen. Also weltweite Beratung, zur Verfügung gestelltes Know-how, ein vereinfachter Engineering-Prozess und vor allem die Unterstützung der Produktionseffizienz unserer Kunden. Kurz gesagt: safetyPLUS® ist die Gewinnung von Sicherheit – im Sinne von Rechtssicherheit wie funktionaler Sicherheit – als individueller Mehrwert für unsere Kunden. Wir haben den Anspruch, unsere Kunden von der Entwicklung der Maschine über die Inbetriebnahme, die Verwendung bis hin zur Nachrüstung und Modernisierung bestens zu unterstützen – und das weltweit.

 

 

 

 

SICKinsight: Wie ist SICK dafür aufgestellt?

Dr. Plasberg: SICK ist mit einem weltweiten Netzwerk aus 140 Sicherheitsexperten in mehr als 80 Ländern direkt vertreten. Unser Portfolio haben wir in den letzten Jahren konsequent ausgebaut, um sowohl für einfache als auch für komplexe Sicherheitsaufgaben die passenden Dienstleistungen und Lösungen anbieten zu können. In unserem Produktportfolio mit Sicherheitsschaltern, optoelektronischen Schutzeinrichtungen und sicheren Steuerungslösungen inklusive Motion-Control-Sicherheits-Steuerungen finden unsere Kunden alle Komponenten in zahlreichen Variationen für die verschiedenen Einsatzfälle.

 

SICKinsight: Profitieren nur große globale Unternehmen wie Continental von safetyPLUS®?

Leitfaden-Sichere-Maschinen

Von Riskiobeurteilung bis Inverkehrbringen: Der Leitfaden „Sichere Maschinen”

Dr. Plasberg: Viele kleine Maschinenbauunternehmen sind auf Beratung und externes Sicherheitsfachwissen angewiesen, da sie sich auf ihr Kern-Know-how, die Automatisierungsfunktionen, konzentrieren. Auch die Geschäftsführer dieser Unternehmen möchten ruhig schlafen und schicken ihre Mitarbeiter auf Seminare und Workshops. SICK gibt sein Wissen und Erfahrungen in diesen Veranstaltungen an über 3.000 Teilnehmer im Jahr weltweit weiter. Allen Maschinenkonstrukteuren bieten wir beispielsweise mit unserem Leitfaden „In sechs Schritten zur sicheren Maschine“ ein praxisorientiertes Nachschlagewerk. Dieser Leitfaden ist seit Jahren eine der beliebtesten SICK-Publikationen. Mit der aktuellen Neuauflage setzen wir die kontinuierliche Aktualisierung fort.

 

 

SICKinsight: Wie schätzen Sie die internationale Entwicklung auf dem Gebiet der Maschinensicherheit ein?

Dr. Plasberg: Wir beobachten atemberaubende Entwicklungen in der Industrie zur Steigerung der Effizienz und Flexibilität von Anlagen und Maschinen, damit einhergehend anspruchsvollere Anforderungen unserer Kunden, die wir durch entsprechende Sicherheitskonzepte unterstützen. Gleichzeitig entstehen zunehmend internationale Regularien für die Sicherheit von Maschinen und Anlagen zum Schutz der Werktätigen. In Brasilien zum Beispiel ist inzwischen die NR12 im Sinne einer Maschinenrichtlinie wirksam, in China bestehen und entstehen mit hoher Frequenz verbindliche Standards für die Betreiber und Hersteller von Maschinen. Europa, insbesondere Deutschland, ist weiterhin Vorreiter auf dem Gebiet der funktionalen Sicherheit.

 

SICKinsight: Wie reagiert SICK auf diese globale Herausforderung?

Dr. Plasberg: Die Herausforderung ist, diesen Fortschritt aktiv mitzugestalten. Wichtig für uns und unsere Kunden ist, dass unsere Lösungen technisch, normativ und rechtlich den weltweiten Ansprüchen genügen. Damit uns das gelingt, steckt SICK erhebliche Mittel in Forschung und Entwicklung und wir sind mit mehr 18 Vertretern in ca. 65 Normen-Komitees aktiv.

 

SICKinsight: Außerhalb Europas entwickeln sich die Anforderungen an die Maschinensicherheit also spürbar. Wie stellt sich SICK den Anforderungen in den neuen Märkten?

Dr. Plasberg: Wie bereits erwähnt, ist die Transparenz über die Entwicklung der Regularien eine Grundvoraussetzung. Parallel dazu befähigen wir unsere Vertriebsorganisation mit einem regional angepassten Qualifizierungsprogramm, unsere Kunden zu beraten und individuelle Lösungen zu entwickeln. Dies sind wichtige Bausteine für den globalen kompetenten Support. Unsere Kunden profitieren von dieser weltweiten Präsenz, zum Beispiel wenn sie global verteilte Fertigungsstätten betreiben oder ihre Maschinen in andere Länder exportieren.

 

SICKinsight: Bedeutet das, dass jeder SICK-Vertriebsmitarbeiter ein Sicherheitsexperte ist?

Dr. Plasberg: Bei dem großen Portfolio von SICK, den unterschiedlichen Technologien, aber auch bei der Vielzahl der Anwendungen ist das natürlich nicht möglich. Dennoch hat jeder Vertriebsmitarbeiter fundierte Kenntnisse über alle Produkte und häufige Einsatzfälle. Unser Training und die Tools versetzen den Vertrieb in die Lage, dem Kunden genau die Fragen zu stellen, die schnell zu einer passenden Lösung führen oder unsere Experten mit den Informationen versorgen, die für die Lösungsfindung wichtig ist.

 

SICKinsight: Wo sind die erwähnten 140 Sicherheitsexperten angesiedelt?

Dr. Plasberg: In den weltweiten Töchterorganisationen und in unseren Kompetenzzentren in Europa, Asien, Nord- und Südamerika. Mit diesem Vor-Ort-Knowhow unterscheiden wir uns wesentlich von manch anderen großen Anbietern für Maschinensicherheit.

 

SICKinsight: Kann ein Kunde auch selbstständig die passende Sicherheitslösung finden?

QuickGuide_Safety

Quick Guide Safety: Orientierung zur Auswahl der passenden Schutzeinrichtung

Dr. Plasberg: Wir versuchen den Kunden zu einer technischen Schutzeinrichtung zu führen, die zu seiner Anforderung passt. Viele unsere Kunden führen wichtige Vorarbeiten, wie z. B. eine Risikoanalyse, vorher eigenständig durch. Diese können aber auch durch Serviceleistungen von SICK realisiert werden. Zur Orientierung haben wir unsere sogenannten „Safety Tasks” entwickelt. Diese zeigen die Problemstellung und werden interaktiv und in Druckschriften als grafisches Hilfsmittel oder roter Faden verwendet. Der Kunde erkennt sehr schnell seine Anwendung und wird zu Produktempfehlungen geführt. Für die notwendigen Kenntnisse oder zur Erklärung spezieller Begriffe und Funktionen ist unser Leitfaden „In sechs Schritten zur sicheren Maschine“ ebenfalls eine ideale Hilfestellung. Auch sogenannte Whitepaper zur Erklärung technischer Sachverhalte stehen online zur Verfügung.

 

SICKinsight: Und welche Schwerpunkte setzt SICK als Nächstes in der Produktentwicklung?

Dr. Plasberg: Ganz oben auf unserer Prioritätenliste stehen die Vereinfachung des Sicherheits-Engineerings, die effiziente Inbetriebnahme der Sicherheitsfunktionen und die intelligente Unterstützung des Produktionsprozesses unserer Kunden. Dadurch werden Fehlerquellen minimiert und Ansätze für Manipulationen verhindert. Das heißt, wir stecken immer mehr Intelligenz in unsere Produkte und Tools und sorgen für ein einfaches Interface zum Menschen oder zu den Systemen des Kunden. Damit stellen wir uns auch den Erfordernissen nach zunehmend komplexeren Anwendungen mit hoher Interaktion zwischen Sicherheits- und Automatisierungstechnik.

 

SICKinsight: Können Sie ein paar Beispiele nennen?

Dr. Plasberg: Aktuelle Beispiele sind unser sicheres Kamerasystem V300, das das Schutzfeld selbstständig einlernt oder die automatische Reichweiteneinstellung unserer neuen Sicherheits-Lichtvorhang-Generation deTec. Unser Laserscanner S3000 mit direkter und sicherer PROFINET-Schnittstelle oder die sichere Sensorkaskade Flexi Loop, bei der Sicherheit und Diagnose über eine Leitung laufen und herkömmliche Sensoren angeschlossen werden.

 

 

SICKinsight: Und wo geht die Entwicklung hin?

Dr. Plasberg: Wir sehen noch viele industrielle und kommerzielle Bereiche, wo der notwendige Schutz von Personen und Anlagen noch nicht Fuß gefasst hat, auch aus Gründen der noch nicht vorhandenen Technologien. Genau da haben wir Ansatzpunkte für zukünftige Entwicklungen identifiziert. Ein weiterer strategischer Fokus ist, wie bereits beschrieben, die Entlastung unserer Kunden auf dem Weg zur sicheren Maschine.

 

 

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