Automobilindustrie

16. Oktober 2015

Intelligente RFID-Technologie schließt Lücken in der Supply Chain

Seit Jahren optimieren RFID-Applikationen Produktionsprozesse in der Automobilindustrie. Diese positiven Erfahrungen empfehlen die RFID-Technologie für weitere Anwendungen, die vor und nach der eigentlichen Produktion liegen. In der Inbound-Logistik zwischen Zulieferer und OEM (Original Equipment Manufacturer) sowie in nachgelagerten Distributionsprozessen liegen vermutlich weitere Einsatzmöglichkeiten für intelligente RFID-Systeme, wie SICK sie bietet. Somit ließen sich Lücken in der Supply Chain schließen.

Automobilindustrie

Oliver-Huther

Oliver Huther, Business Development Manager RFID, SICK Vertriebs-GmbH

Der Einsatz von RFID-Technologie bei deutschen OEMs in der Automobilbranche ist heute bereits weit fortgeschritten. So berichtet Oliver Huther, Business Development Manager RFID SICK Vertriebs-GmbH: „Wir haben Tausende UHFRFID-Installationen (UHF = Ultra High Frequency) begleitet und mit unserem Sensorik-Know-how unterstützt. UHF-RFID-Hardware von SICK steuert bei unterschiedlichen OEMs den Produktionsprozess. Unsere Systeme werden jedoch mittlerweile auch nach der Fertigstellung eines Fahrzeugs weiter genutzt. RFID sorgt in der Distribution für die korrekte Verladung und Versendung der Fahrzeuge zu den Händlern weltweit. Gleichzeitig erleichtert RFID das Auffinden von zwischengelagerten Fahrzeugen für eventuelle Nachbearbeitungsaufgaben.“

Lückenschluss an beiden Enden der Produktion

Der Lückenschluss zwischen Produktion und Distribution wurde so bei einigen OEMs in ersten Projekten, aber auch bereits realisierten Applikationen vollzogen. „Vergleichbare Aktivitäten auf der anderen Seite der Fertigung, also im Inbound, ziehen aktuell sehr stark an. Hier dominiert der Barcode beim Datenaustausch zwischen Supplier und OEM. Bietet RFID in den Prozessen vom Zulieferer zum Hersteller bei stetig weiterentwickelter Sensorik jedoch Vorteile, wird sich die Technologie auch an diesem Punkt der automobilen Wertschöpfungskette zunehmend verbreiten. Die Anzeichen sind da und die Nachfrage nach RFID-basierten Lösungen nimmt deutlich zu“, erzählt Oliver Huther.

Verzahnung von Supplier und OEMs

Andreas-Behrens

Andreas Behrens, Head of Business Unit Barcode – RFID – Vision, Identification & Measuring, Marketing & Sales, SICK AG.

Je individueller die einzelnen Bauteile eines Fahrzeugs zusammengestellt sind, desto individueller ist auch die Fertigung. Was so einfach klingt, stellt für alle an der Fahrzeugherstellung Beteiligten eine enorme Herausforderung dar. Andreas Behrens, Head of Business Unit Barcode – RFID – Vision, Identification & Measuring, Marketing & Sales bei SICK, erklärt: „Mehr Komfort für den Kunden bei der Zusammenstellung seines Fahrzeugs geht mit einer größeren Individualisierung auf der Fertigungsstrecke einher. Innovative technologische Lösungen sind gefordert, die mithilfe intelligenter Systeme die Unternehmen unterstützen, den wachsenden Aufwand zu bewältigen. Eine der möglichen Technologien ist RFID – als Antwort auf Fragen, die aus der zunehmend auftragsbezogenen Fertigung bis hinunter zum Einzelteil aufkommen. Zulieferer und OEMs müssen sich auf diese Herausforderungen einstellen, idealerweise, indem sie zur Effizienzsteigerung Systeme einsetzen, die sie in allen Prozessschritten unternehmensunabhängig nutzen können.“ Die Verzahnung von OEMs und ihren Lieferanten ist ohnehin bereits weit fortgeschritten und könnte zukünftig noch zunehmen.

Ist eine Technologie sinnvoll, wird sie auch eingesetzt

Die RFID-Technologie kommt in der Automobilbranche in unterschiedlichsten Applikationen zum Einsatz. „Die Möglichkeiten, die sich dabei ergeben, sind zu vielfältig, als dass ein Prozess besonders hervorgehoben werden könnte“, erläutert Oliver Huther. „Heute kennzeichnen OEMs und Zulieferer unterschiedlichste Einzelteile, Baugruppen und Ladungsträger. Die Frage, ob ein Objekt einfach oder schwer zu kennzeichnen ist, steht nicht im Vordergrund, sondern vielmehr, wie die Komplexität in Prozessen reduziert und die Transparenz erhöht werden kann. Dennoch entscheidet am Ende immer der Kunde nach einer Kosten-Nutzen- Abwägung, welche Identifikationstechnologie er für die Optimierung seiner Prozesse am geeignetsten hält. Wir von SICK haben den Vorteil, dass wir unsere Kunden unabhängig von der Technologie beraten können.“

 

RFID-Automobil

Flexibilität in der Technologieauswahl sichert Zukunftsfähigkeit

4Dpro„Häufig kommt es vor, dass Unternehmen sich weniger für die Technologie als für die Lösung ihrer Anforderung interessieren“, erläutert Oliver Huther. Deshalb bietet SICK Identifikationslösungen an, die über eine einheitliche Anschlusstechnik, eine einheitliche Bedienoberfläche und ein einheitliches Zubehörkonzept verfügen. Diese Kompatibilität fasst SICK unter dem Label 4Dpro zusammen. „Für unsere Auto-ID-Plattform 4Dpro ist es unerheblich, ob die erfassten Identifikationsdaten von einem RFID-Schreib-/Lesegerät oder aus dem Scan eines 1D- oder 2D-Barcodes stammen“, so Huther. „Diese Unabhängigkeit bei der Wahl der Technologie sichert auch die Zukunftsfähigkeit der verwendeten Systeme. Setzt ein Unternehmen Barcodescanner ein und will es in Zukunft RFID-Schreib-/Lesegeräte an gleicher Stelle nutzen, können die Geräte zur Erfassung einfach ausgetauscht werden. Das bestehende System muss nicht angepasst werden. Eine Migration ist so mit Plug-and-play möglich. Mit diesen Möglichkeiten lässt sich mit der passenden Technologie in nahezu jedem Prozess ein belastbarer Business Case formulieren.“

Intelligente RFID-Lösungen mit Industrie-4.0-Potenzial

RFU63x

Das Schreib-/Lesegerät RFU63x von SICK lässt sich beispielsweise zur Identifikation von Karosseriebauteilen in der Automobilproduktion einsetzen.

Die Supply-Chain-Integration in der Automobilindustrie über Unternehmensgrenzen hinweg bietet ein umfangreiches und noch nicht genutztes Potenzial für den Einsatz von RFID-Technologie. „Wenn mit Blick auf die Entwicklungen im Kontext von Industrie 4.0 ein steigender Automatisierungsgrad und der Austausch zwischen allen an der Fertigung beteiligten Unternehmen gefordert werden, ist RFID einfach prädestiniert. Denn die Technologie ist universell einsetzbar und gekennzeichnete Objekte sind sowohl individuell als auch im Pulk – je nach Bedarf – erfassbar“, stellt Oliver Huther fest. „RFID bietet in allen entscheidenden Prozessen Mehrwert – ganz gleich, ob Objekte auf Einzelteilebene oder Ladungsträger in offenen Kreisläufen zwischen Supplier und OEMs erfasst werden sollen. Wir von SICK haben viel Forschungsarbeit in die Entwicklung unserer Schreib-/Lesegeräte investiert. Unser Know-how steckt in Systemen, die beispielsweise die Zuordnung spezieller Informationen zu einem Transponder in der Pulklesung ermöglichen. Zahlreiche Effekte, die noch vor wenigen Jahren den RFID-Einsatz verhindert hätten, sind heute kein Thema mehr – im Gegenteil: Reflexion und ‚false-positive reads‘ sind beim Einsatz aktueller RFID-Hardware kein Grund mehr, auf RFID zu verzichten.“

 

Für Andreas Behrens sind diese Herausforderungen vom Bereich Forschung und Entwicklung bei SICK bereits gelöst: „Wir haben Schreib-/ Lesegeräte mit intelligenten Funktionen ausgestattet und integrieren die Geräte in kommunikationsfähige übergreifende Gesamtsysteme.“ Intelligente Schreib-/ Lesegeräte von SICK sind in der Lage, aus reinen Messdaten hochauflösende Rückmeldedaten zu erzeugen, die sich per Schnittstelle an eine entsprechende Software übermitteln und schließlich visuell darstellen lassen.

 

Machbarkeitsstudien und Simulationen

Um OEMs und Zulieferern, die den Einsatz von RFID-Technologie planen, relevante Informationen zur Entscheidungsfindung zu liefern, bietet SICK bereits im Vorfeld eines Projekts Untersuchungen an, die eingehend die Machbarkeit prüfen. „Wir betreiben mehrere Technologiecenter, in denen wir unter realen Bedingungen Machbarkeitsstudien durchführen können“, erklärt Oliver Huther. „Ebenso sind Testaufbauten beim Kunden oder die Kombination dieser beiden Elemente möglich. Simulationen können die so erlangten Analysedaten ergänzen.“ Andreas Behrens fügt hinzu: „Test und Simulationen ermöglichen belastbare Aussagen über einen Business Case und zeigen unmittelbar die zu erwartenden Mehrwerte auf. Ist der Rollout entschieden, unterstützen wir bei der Inbetriebnahme und beim Feintuning sowie bei der Schulung der Mitarbeiter, die das System betreuen.“

 

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